Ein Blick in die Geschichte

Die Stiftung wurde am 15. Dezember 1991 in Trier eingerichtet. Initiator und Stifter Gottfried Nyssen (1946 – 2015) legte mit eigenen privaten Mitteln den Grundstein. Entscheidende Impulse für diesen Schritt kamen aus der krisenhaften politischen Situation im Vorfeld des sich anbahnenden Genozids in Ruanda, aber auch aus der persönlichen Begegnung mit den in der katholischen Pfarrei Rushaki tätigen Afrikamissionaren. Das Schicksal der im Jahre 1987 etwa 8-jährigen Mukapasika verfestigte das Bestreben, sich für beeinträchtigte Kinder in der Krisenregion zu engagieren.

Es ist das Verdienst des im Jahre 2004 verstorbenen Afrikamissionars Armand Poulin, sich der Misere körperlich beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher in seiner Pfarrei Rushaki aktiv angenommen zu haben. Immer wieder hatte er erlebt, wie Familien ihre beeinträchtigten Kinder aus Scham versteckten, sie von Schulbesuch und sozialen Kontakten fernhielten. Auf der anderen Seite war dem Geistlichen bewusst: Mit relativ geringem finanziellem Aufwand könnte den Kindern geholfen werden.

Pater Armand vermochte es, in seiner Pfarrei, das „Komitee Handicapès de Rushaki“ zu etablieren. Damit übertrug er die Organisation und Umsetzung der Behindertenhilfe vor Ort an zuverlässige und motivierte Laien. Ende 1989 konnte das Komitee bereits mit der Unterstützung von 40 freiwilligen Helferinnen und Helfern rechnen.

Der inklusive Gedanke im Umgang mit beeinträchtigten Menschen blieb auch nach den Wirren des Bürgerkriegs lebendig. Ende 1994 konnten sich einige Aktivitäten zugunsten der Beeinträchtigten wieder entfalten. Auch die Begleitung durch die Afrikamissionare konnte fortgesetzt werden. Pater Armand indessen verließ Ruanda und kehrte in sein Heimatland Kanada zurück.

Im Jahre 1999 übernahm die kongolesische Ordensschwester Jacqueline Imbungu die Leitung der Behindertenhilfe in Rushaki. Die ausgebildete Krankenschwester sah zunächst ihre Hauptaufgabe darin, die soziale Integration beeinträchtigter Menschen zu fördern. Mit kritischem Blick verfolgte sie die Tätigkeiten des örtlichen Komitees und monierte die zuweilen fehlende Nachhaltigkeit.

Der französische Orden „Soeurs de la Sainte Famille de Bordeaux“ verantwortet seit 1999 die Leitung des Behindertenhilfswerks in Rushaki. Neben ihrer Haupttätigkeit im Gesundheitszentrum von Rushaki organisieren die Schwester unter anderem Krankentransporte, die Beratung im Einzelfall, den Schulbesuch von Kindern, die berufliche Ausbildung, medizinische und orthopädische Behandlungen. Der Bedarf an Unterstützungsleistungen für die Klientel nahm in den vergangenen Jahren stetig zu. Weit über 100 Kindern und Jugendlichen kam jährlich medizinische und soziale Betreuung zuteil.